Ex Ilva, die Stahlindustrie aus Brescia mischt mit: Interessenbekundung liegt vor
Feralpi, Duferco, Lucchini RS und Valsabbia schließen sich der großen italienischen Allianz an, die von Federacciai initiiert wurde, um die operativen Bereiche in Tarent zu übernehmen. Die Gewerkschaften bremsen jedoch und rufen an den Ex‑Ilva‑Standorten zum Streik auf: «Keine Verkleinerung des Heißbereichs».
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Brescia. Auch die Unterschrift der Stahlriesen aus Brescia steht unter dem ehrgeizigen Rettungsplan, der die Kräfte der nationalen Stahlindustrie neu ordnen will. Der Präsidialrat von Federacciai unter Leitung von Präsident Antonio Gozzi hat offiziell den Auftrag erteilt, im Namen eines Konsortiums italienischer Unternehmen eine Interessenbekundung für das ehemalige Ilva in Tarent (jetzt Acciaierie d’Italia) an die zuständigen Stellen zu übermitteln.
Innerhalb dieser trikoloren Allianz kommt dem Stahlsektor aus Brescia – traditionell ein treibender Motor in Europa – besonderes Gewicht zu, vertreten durch Feralpi, Duferco, Lucchini RS und Ferriera Valsabbia.
Die private Initiative zielt auf die Wiederbelebung und den Fortbestand der operativen Bereiche des Werks, die nicht vom jüngsten Stillstand des Heißbereichs betroffen sind. Für Brescia ist dies ein beispielloser strategischer Schritt, der den Schutz einer wichtigen Produktionskette mit der technischen und finanziellen Leistungsfähigkeit der führenden Industrieunternehmen verbindet. Der Weg zum Closing bleibt jedoch an Bedingungen geknüpft: die Produzenten fordern die sofortige Eröffnung eines Runden Tisches mit dem Ministerium für Unternehmen und Made in Italy (MIMIT), um belastbare Garantien zur Tragfähigkeit des Dekarbonisierungsplans zu erhalten.
Ein offenes Konsortium: italienische Partner und die internationale Herausforderung
Die brescianische Delegation ist in dieser System‑Angelegenheit nicht alleine. Zum von Federacciai geförderten Konsortium gehören auch weitere nationale Stahlgiganten wie Arvedi, Marcegaglia, Gruppo Beltrame und Acciaierie del Veneto. Das Ziel der italienischen Produzenten konzentriert sich überwiegend auf die „kalten“ Bereiche des Werks.
Die Lage in Tarent bleibt komplex und global: Bei den Sonderkommissaren liegen konkurrierende Interessenbekundungen internationaler Konzerne vor, die das gesamte Industrieareal (einschließlich des Heißbereichs) übernehmen wollen, darunter Jindal Steel (über Vulcan Green Steel) aus Indien, das ukrainische Metinvest, das kanadische Stelco und der globale Betreiber Steel Mont.
Die Reaktion der Gewerkschaften: Mobilmachung an den Ex‑Ilva‑Standorten
Allein die Aussicht auf ein rein teilweises, trikolores Engagement hat die Spannungen unter den Arbeiterinnen und Arbeitern in Apulien und im nationalen Netz rund um Acciaierie d’Italia sofort wieder aufleben lassen. Fim, Fiom und Uilm äußerten starke Besorgnis und lehnen entschieden jede Option einer dauerhaften Abschaltung des Heißbereichs oder einer strukturellen Verkleinerung des Standorts Tarent ab.
Nach dem jüngsten Gipfel im Palazzo Chigi riefen die Gewerkschaftsvertreter zu achtstündigen Streiks und zu außerordentlichen Versammlungen auf. Diese Protestmaßnahmen – sowohl der Streik als auch die Versammlungen – betreffen das Personal der Ex‑Ilva‑Standorte (z. B. Tarent, Genua, Novi Ligure) sowie deren Zulieferketten. In den Stahlwerken der Provinz Brescia laufen Produktion und gewöhnliche gewerkschaftliche Aktivitäten regulär und ohne Änderungen weiter.
Die Schlagkraft der vier brescianischen Akteure
Unterlegt wird die Interessenbekundung durch die gewichtigen Zahlen der beteiligten brescianischen Gruppen, echte Wirtschaftsriesen mit Milliardenumsätzen.
Gruppo Feralpi. Mit Hauptsitz in Lonato del Garda gehört das von der Familie Pasini geführte Unternehmen zu den führenden Stahlproduzenten Europas: konsolidierter Umsatz von 1,7 Milliarden Euro und 2.173 direkte Beschäftigte in 7 Ländern.
Duferco. Unter der Leitung desselben Präsidenten von Federacciai, Antonio Gozzi, verfügt die Gruppe über eine globale Präsenz und rund 1.600 Beschäftigte in Italien. Allein Duferco Travi e Profilati in San Zeno erzielte 277,1 Millionen Euro Umsatz bei rund 260 Mitarbeitern.
Lucchini RS. Weltmarktführer für Komponenten im Schienenverkehr und für hochwertigen Stahl, mit Sitz in Lovere: zuletzt konsolidierter Nettoumsatz 583,1 Millionen Euro (80 % Export) und etwa 2.000 Mitarbeiter weltweit.
Ferriera Valsabbia. In Odolo verwurzelt, im metallurgischen Herzen des Valle Sabbia, ist das Unternehmen ein zentraler Bezugspunkt für Baustahl, mit einem Umsatz von 357,8 Millionen Euro und rund 310 Beschäftigten.
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